Warum habe ich mit Judo angefangen?

Eine Geschichte für jung und alt von Claudia Kirchberger

„Neulich wurde ich gefragt, warum ich, eine Frau mit 47 Jahren, dick und unsportlich wie ich damals war, mit Judo angefangen habe und nun seit rund 7 Jahren dabei bin.

Geplant war das nicht. Eher ausgeschlossen. Waaas – Judo ist doch ein Kampfsport!!!! Mit dem Bandscheibenvorfall, den ich vor 15 Jahren hatte geht das ja überhaupt nicht!!! Und überhaupt machen das ja eh nur Männer.

Aber irgendwas musste ich tun, das war mir damals klar – alles tat weh, der Rücken, die Knie, die Hüfte, häufige Kopfschmerzen – klar bin ich zum Arzt, der meinte nur: „Eine Arthrose haben Sie noch nicht, nur keine Muskeln“. Spinnt der? Dachte ich, eigentlich hatte ich mit der 1. Hüft-OP gerechnet, als ich zu ihm ging. Aber er hat mir mit dieser Aussage einen Virus eingepflanzt. Mach Sport. Sport. Sport. Dann gehen die Schmerzen weg.

Und das stimmt!!!!!

Natürlich hat man mit Sport erstmal wieder Schmerzen, nämlich Muskelkater. Dafür gehen die anderen Schmerzen weg, weil Muskeln wieder aufgebaut werden, die ja da sind, nur hoffnungslos verkümmert, weil sie vorm Fernseher und dem PC in der Arbeit nicht mehr gebraucht werden. Diese Muskeln, die uns unser wunderbarer Körper zur Verfügung stellt, verhindern normalerweise, dass die ganze Last komplett auf die Gelenke geht und frühzeitig Arthrose verursacht. Natürlich jaulen sie bei Belastung, in meinem Körper war nach dem Training gefühlt ein ganzes Rudel an Miezekatzen unterwegs. Aber es hat sich gelohnt. Vor allem tut jetzt, nachdem die Muskeln wieder aufgebaut sind nichts mehr weh.

Mit einem Mal bisschen Sport machen ist es leider nicht getan. Mir ist es nicht gelungen mich selbst zu motivieren und völlig frei, ohne sozialen Druck und Unterstützung zum Beispiel zu joggen, oder regelmäßig schwimmen zu gehen. Da kommt immer was dazwischen, dann ist man müde, „Nö, heute nicht – morgen vielleicht“ usw.

So in dieser Art wäre es weitergegangen, wenn nicht meiner Tochter 14 was passiert wäre. Sie ist mitten am Nachmittag am Augsburger Rathausplatz von ein paar Männern angetanzt worden. Silvester Köln war noch nicht passiert, wir erkannten die eigentliche Gefahr gar nicht. Eine befreundete Polizistin hat uns dann den Rat gegeben, doch zur Bereitschaftspolizei Königsbrunn zu gehen, die bieten Selbstverteidigungskurse (SV) an, für jedes Alter, von 9 bis 99 Jährige. Das haben wir gemacht. Erfolgreich. Seither ist meiner Tochter nie mehr etwas passiert. Wir wurden eingeladen, zum Freitagsabendtraining der Judogruppe zu kommen und mit den Trainern Herrn Hannes Daxbacher und Marc Schwalber die gelernten Verteidungsstrategien zu vertiefen. Ich bin hin und habe beim Judotraining des Polizeisportvereins Königsbrunn einfach mitgemacht. Ich? In meinem Alter! Mit meinem Gewicht 85 kg!!! Ja klar!!!

Nächste Woche stand ich wieder auf der Matte, voller Angst – das war’s jetzt, dachte ich. Und plötzlich lernte ich Judo kennen, – es kamen Judokas auf mich zu, die mir meinem Können entsprechend, nämlich dem unsportlichen Nichts, Judo zeigten. Sie haben immer darauf geachtet, dass ich mir nicht wehtat, ohne Ausnahme, Jeder, egal welchen Gürtel sie haben. Das ging los mit Aufwärmen, damit die Muskeln warm und gelockert sind, Krafttraining mit dem eigenen Körper und dann Judotechniken.

„Sofort kam die Warnung, nur so viel zu machen, wie ich kann, ruhig langsamer als die anderen“ – Der Trainer hat sofort auch auf mich geachtet, dass ich mich nicht überanstrenge und verletze. Faszinierend – auf der einen Seite sind da Judokas, die auf einen Wettkampf trainieren, auf der anderen Seite Judokas in allen Altersklassen von 16 bis zu meinem Alter und sogar bis 70, die Judo gemäßigt als Breitensport machen wollen und ich als Anfängerin, alle gemischt. Und immer findet sich jemand, auch mal ein Wettkämpfer, der mir Griffe, Festhaltetechniken, Falltechniken und Würfe zeigt und natürlich auch übt. Am Anfang selbstverständlich so, dass ich nicht ungespitzt in den Boden donnere. Und natürlich auch wie man kämpft.

Und immer ist der Trainer zur Stelle, der auf faszinierende Weise die unterschiedlichsten Judokas unter einen Hut bringt.

Nach dem Training bin ich ausgepowert, völlig fix und fertig und glücklich. Auf der Heimfahrt wird mir bewusst, was ich mir alles zugetraut und geschafft habe. Dieses Glücksgefühl ist der Wahnsinn, das will ich wieder erleben. Da wird der mörderische Muskelkater glatt zur Nebensache. Wann ist wieder Training?

Ich kann mich heute noch an das erste Mal „geworfen werden“, also als Uke erinnern. „Ich werde mir jetzt bestimmt alle Knochen brechen, der Bandscheibenvorfall von damals bitte nicht nochmal… -aber wenn ich weiter Judo machen will, muss ich das machen.“ Voller Angst hab ich zugestimmt. Und? Etwas durchgeschüttelt, leicht verwirrt, dass nichts weiter passiert ist, bin ich wieder aufgestanden. Geht doch oder? fragte Thomas, der an diesem Tag das Training leitete. Und gleich nochmal….

Auf der Heimfahrt wieder – ich konnte mein Glück schier nicht fassen. Ich war so stolz auf mich, das geschafft zu haben.

Nach einiger Zeit fasste ich den Mut bei Oldies but Goldies mitzumachen, veranstaltet vom SCUG Germering. Da habe ich nochmal ein ganz anderes Training kennen gelernt mit dem Schwerpunkt altersgerecht. Die Trainer Franz Dausch und Carsten Bickenbach haben uns seniorengerechte Techniken gezeigt zu junger fetziger Musik, dazu Tricks, worauf man achten soll um sich nicht beispielsweise die Kniegelenke kaputt zu machen, Wettkampftechniken und am Schluss Yogatechniken zur Entspannung. Zur Vertiefung bin ich eingeladen worden am Donnerstagabend, 19:30 Uhr in die Turnhalle der Kirchenschule zu kommen. Dort trainiert die Seniorengruppe des SCUG Germering. Was heißt hier Seniorengruppe? Es sind neben Sportlern in meinem Alter auch junge Leute da, die die zusätzliche Trainingszeit nutzen möchten, unter der Leitung von Lutz Maier-Staude und Mike Jäger, die ganz genau darauf achten, dass ich mir nicht wehtue, dass ich mich nicht zu sehr überanstrenge und vor allem, dass ich die Techniken sauber lerne. Auch hier, beim SCUG Germering habe ich Rücksicht, Fairness und eine hohe Qualität des Trainings kennen und schätzen gelernt. Genauso wie beim PSV Königsbrunn trainiert jeder mit jedem und der Anfänger mit dem erfahrenen Wettkämpfer.

Mittlerweile bin ich in beiden Vereinen glücklich, die Stimmung ist immer toll, es wird immer ernsthaft trainiert und ich trainiere voller Freude 2-3 mal die Woche. Früher wäre das undenkbar gewesen. Langsam wird mir bewusst was das Judotraining bei mir bewirkt:

Dass die Trainingsgruppe, der Verein, das abwechslungsreiche Training und die hochqualifizierten Trainer des Polizeisportverein Königsbrunn und des SCUG Germering mich immer wieder motivieren regelmäßig zu kommen, mich wegziehen von Couch, TV und Langeweile am Abend. Komm, Mach mit!!! Das Vereinsleben mit seinen Veranstaltungen wie Meisterschaften für die Kinder und Jugendlichen, Nikolausrandori oder Neujahrtraining und Trainingscamps bieten neben dem normalen Trainingsalltag auch Abwechslung und Austausch mit anderen, eine wertvolle Bereicherung des Lebens durch immer neue Erfahrungen beim Miteinander und Ehrenamt. Raus aus der Komfortzone, die Zeit sinnvoll nutzen, sich für andere engagieren und selber ganz viel gewinnen.

Dass mein Körper langsam aber sicher kräftiger wird, Muskeln aufgebaut werden, sogar an Stellen, wo ich niemals Muskeln vermutete. Das zeigt mir spätestens der Muskelkater. Ich spreche von Großkatzen in der Anfangszeit, was natürlich auch an mir liegt, weil ich immer an meine Grenzen gehe und Schmerzen auch aushalte. Aber was sind das für Schmerzen im Vergleich zu Schmerzen beim Bandscheibenvorfall oder bei Arthrose. Nichts. Diese Muskelkaterschmerzen gehen wenigstens in ein paar Tagen wieder weg und dann ist es gut.

Dass ich selbstbewusster geworden bin. „Mach es einfach, probiere es aus.“ Wenn man mal fällt, steht man halt wieder auf. Nächstes Mal falle ich nicht mehr sondern nehme die Energie des anderen und lenke sie so, dass im Besten Fall er fällt. Das Prinzip des Judo – der sanfte Weg. Nicht hau drauf bis der andere sich nicht mehr rührt sondern nimm seine Energie und leite sie um. Nutze den Fehler oder die Schwäche des anderen.  Und hör sofort auf, wenn der Andere Stopp sagt, bzw. abschlägt. Gerade die Jugendlichen lernen kontrolliert rangeln und raufen – so lernen sie in einer Trainingsstunde die 10 Judowerte, die natürlich in jeder weiteren Trainingseinheit vertieft werden:

z.B. Selbstbeherrschung, Ehrlichkeit und Fairness. Wo kann man heute noch raufen? Nicht am Spielplatz, nicht in der Schule, nirgends, denn sofort holen Mami und Papi den Rechtsanwalt oder den Jugendpsychologen der dann richten soll, was in der Erziehung falsch gelaufen ist. Die Kinder und Jugendlichen lernen beim Judo auch mal was auszuhalten und Provokationen ruhig zu begegnen.

Zur Beginn der Trainingsstunde knien wir alle ruhig in einer Reihe und verbeugen uns ordentlich und konzentriert um uns auf das kommende Training zu konzentrieren.  Auch vor unserem jeweiligen Trainingspartner zeigen wir uns durch die Verbeugungen höflich, bescheiden und respektvoll. Die Kinder lernen mit sauberen Händen und Füßen ins Training zu kommen, dem Trainer mit Achtung und Respekt zu begegnen  und mit Erfolgen, die sie erreicht haben nicht zu prahlen. Die Erfahrungen des Trainers aus der eigenen Wettkampfzeit und die umfangreiche Diplom-Trainerausbildung lassen ihn das Können des Judoka genau beurteilen. Nicht Eltern entscheiden, ob der Sprössling eine weitere Gürtelstufe erreicht hat, sondern der Trainer. Daraus ergibt sich auch die Wertschätzung gegenüber anderen, die sich nach ihren Möglichkeiten oder Handicaps anstrengen.

Das heißt auch, dass Kinder lernen nicht nur sie werden gefördert, sondern auch andere. Egoismus ist fehl am Platze, sie lernen auch den Schwächeren oder niedriger Graduiertem, dem Anfänger zu helfen die Techniken zu erlernen.

Den Mut durchzuhalten oder neues zu lernen und mit Ernsthaftigkeit bei den Übungen und im Wettkampf dabei zu bleiben, denn die Reizüberflutung am PC oder TV, im Schulalltag oder sonstigen bewegungsarmen Freizeitbeschäftigungen führt leider oft dazu, dass Kinder unausgeglichen, unruhig, sprunghaft oder gar überaktiv sind.

Sich kontrolliert zu wehren und aber auch mit Rücksicht auf den Trainingspartner zu reagieren, denn nachher will man ja wieder mit ihm trainieren. Erstaunlich, dass im Randori, im Übungskampf, 2 Judoka mit aller Kraft und Ehrgeiz gegeneinander kämpfen, nur einer kann siegen, und nachher sind sie wieder beste Freunde. Das kann man auch bei den Weltmeisterschaften oder der Olympiade beobachten. Aber so weit muss ich gar nicht schauen, Frau Regina Daxbacher, selber eine erfahrene und erfolgreiche Wettkämpferin,  trainiert im Spezialtraining Mittwochs und Freitags die jungen Wettkämpfer beim PSV Königsbrunn, die einen Turniererfolg nach dem anderen heimtragen und gleichzeitig Freundschaften in anderen Vereinen sogar bis Italien knüpfen. Leider kenne ich das Wettkampfgeschehen beim SCUG Germering noch nicht, aber ich habe in der kurzen Zeit bei den Senioren bereits viele Freunde gefunden. Vielleicht gelingt es ja mal ein Freundschaftsturnier auszurichten. Wobei – das nächste Oldies but Goldies ist ja schon am 9. November beim SCUG Germering in der kleinen Turnhalle der Kirchenschule. Also beste Gelegenheit mal wieder gemeinsam Judo zu trainieren.

Um ehrlich zu sein habe ich auch Vereine kennengelernt bei denen mehr Wert auf Unfairness, Respektlosigkeit und Egoismus gelegt wird. Hauptsache der Sprössling siegt, egal wie. Von den 10 Judowerten haben diese Leute leider nichts verstanden.

Immer wieder lerne ich meine Grenzen auszutesten und zu überwinden. Die vielen Gürtelprüfungen sind der Weg dazu, und der Weg ist das Ziel. Ich stand mal in der Umkleide und band mir ganz stolz den gerade erworbenen weißgelben Gürtel um, da haben 2 junge Mädels gefragt, wie lange es dauert den schwarzen Gürtel im Judo zu bekommen. Ich hatte keine Ahnung. Aber eine andere Judoka erklärte, dass es viele Jahre dauert, schnellstens ca. 5 Jahre bis man den schwarzen Gürtel haben kann. „das dauert mir zu lang“ sagte die Eine, „lass uns zu den Jungs gehen, das macht mehr Spaß“, sagte die Andere. Ich war entsetzt, habe ich doch damals schon kapiert, dass beim Judo ganz nebenbei Qualitäten vermittelt werden, wie hohes Durchhaltevermögen, Bescheidenheit und die Lust am Lernen. Das brauchen junge Leute vor ihrem Schulabschluß oder in ihrem Berufsleben doch eigentlich auch oder? Für mein berufliches Fortkommen als Architektin jedenfalls war die Entscheidung Judo zu trainieren das Beste was mir passieren konnte.

Was auch super funktioniert ist Stress abbauen. Wenn ich mal Wut im Bauch habe, weil irgendetwas im Berufsleben oder Privat schief gelaufen ist, trage ich das nicht wochenlang mit mir herum sondern kämpfe halt besonders intensiv. Danach fühle ich mich erleichtert, die Wut ist weg und mein Trainingspartner und ich freuen uns, so toll miteinander gekämpft zu haben. Daheim angekommen fällt mir dann meistens die Lösung des Problems ein, der Rest ist dann leicht zu erledigen. So werden scheinbar unüberwindbare Berge von Problemen plötzlich Hügelchen.

Ich habe abgenommen, automatisch, bei den gleichen Nahrungsmengen. Denn der Sport macht auch hungrig. In den ersten 2 Jahren sind 10 kg verschwunden. Dauerhaft. Im letzten Jahr, mittlerweile bin ich 50+ und die Wechseljahre schlagen voll zu, kam noch eine andere Denkweise dazu, nämlich die Qualität der Ernährung. Nachdem ich diese Dinge für mich geklärt habe, wie zum Beispiel das Weglassen von Zucker, habe ich nochmal 5 kg abgenommen, aber das ist eine andere Baustelle.

Mit jedem Training werden nicht nur die vielseitigsten Judotechniken geübt, sondern auch wie man Angst überwindet. Im Laufe der Zeit findet sich das Angstüberwinden im täglichen Leben wieder, ob im Beruf, oder im Restaurant, wenn ich mich beschweren will usw. Das kann ich nicht – ein Satz der mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Natürlich kann ich nach wie vor nicht einfach so eine Steilwand hochklettern, aber sollte es mein Ziel werden da hochzuklettern fange ich halt an, leichtere Wände hochzuklettern, dann schwerere, bis ich die Steilwand schaffe.

Jetzt habe ich schon so viel erreicht, jetzt kannst ja aufhören und was anderes machen. Ein klares Nein. Es gibt noch so viel zu lernen, viele Techniken beherrsche ich nicht oder nur unvollständig und wenn es nur Feinheiten sind, aber ich kann sie immer noch besser machen. Mit jedem Partner ist es anders, jeder bewegt sich anders, ist größer, kleiner, leichter, schwerer, macht mit oder stemmt sich dagegen, und immer ist ein und derselbe Wurf oder Griff anders anzusetzen und durchzuführen. Weiterlernen und durchhalten sind keine Aufgabe sondern eine Lebenseinstellung geworden, das Prinzip des Lernen und Lehren beim Judo, das gegenseitige Helfen, die Verantwortung für den Partner übernehmen, die Rücksichtnahme auf Schwächere habe ich im Laufe der Zeit ganz automatisch verinnerlicht. So habe ich neben dem nächsten Ziel – dem braunen Gürtel –  eine neue Motivation für die Zukunft gefunden – den Übungsleiterschein für Kinder und Jugendliche im Breitensport zu machen, um selber vorne stehen, natürlich ehrenamtlich und Kindern die Freude an der Bewegung beizubringen, ihnen einen Weg zu zeigen ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, neue Freundschaften zu finden und anderen mit Respekt und Fairness zu begegnen.

Ganz wichtig für mich ist auch, mich nicht zu sehr ins Kämpfen zu verbohren, nicht die Weiblichkeit zu verlieren, sondern trotz aller Anstrengung locker zu bleiben und niemals das Lächeln zu verlieren.

Im Laufe der Zeit sind einige Späteinsteiger dazu gekommen, mit den unterschiedlichsten Motivationen; da ist zum Beispiel ein junges Ehepaar, das über das Judo lernende Kind ins Training zum Schnuppern kam. Sie suchten einen Sport, bei dem sie gemeinsam Zeit verbringen können, am liebsten einen Sport, der den Kindern auch Spaß macht. Oder ein anderes Ehepaar in meinem Alter und ohne Judoerfahrung, das zum Einen mit Fragen der Selbstverteidigung zu unserem Trainer kamen und zum Zweiten einen Ausgleich zur Arbeit suchen und ebenfalls gemeinsam Sport machen möchten. Judo und Selbstverteidigung heißt ja nicht, dass man auf der Straße Leute angreift und durch die Gegend wirft. Aber sollte es mal unangenehm werden, nachts, allein, beim Nachhauseweg traut man sich wenigstens sich zu wehren. Allein die eigene Ausstrahlung, das Selbstvertrauen das man durch diesen Sport gewonnen hat reicht meist schon, nicht als potentielles Opfer ausgesucht zu werden.

Auch Wiedereinsteiger kommen ins Training. Sie haben in ihrer Kinder- und Jugendzeit vielleicht schon Judo gemacht, oder andere Kampfsportarten und stellen fest, wie gut Judo tut, nach der Arbeit, mit der Familie, mit dem Sohn oder der Tochter, die mittlerweile auch schon Judo machen. Sie erinnern sich, was der Kampfsport damals mit ihnen gemacht hat, wie sie selbstbewusster geworden sind, wie sie mental stärker geworden sind und möchten daran wieder anknüpfen und ihren Kindern dieses Wissen ebenfalls vermitteln. Oder sie kommen von anderen Sportarten, die durch einseitige Belastung mittlerweile Beschwerden machen. Da ist Judo natürlich ideal, es gibt keine Muskeln, die nicht trainiert werden, von den Zehen über die Oberschenkel, Bauch- und Rückenmuskeln bis zu den Halsmuskeln, alles wird gestärkt, das Gleichgewicht trainiert zur Sturzprävention, perfekt für das Alter, wenn Stürze wirklich gefährlich werden können. Man lernt richtig fallen, ohne den Ellbogen zu ruinieren oder den Oberschenkelhals zu malträtieren. Durch den Muskelaufbau werden die Gelenke entlastet und geschont, der Knochenaufbau gestärkt, durch die Anstrengungen des Sports Herz- und Kreislauf aktiviert mit allen positiven Auswirkungen. Ich bin kein Mediziner aber ich merke an allen Ecken und Enden meines Körpers, wie sich alles zum Positiven geändert hat. Der Blutdruck ist viel niedriger, das Asthma hat sich wesentlich gebessert und die Arthrose gibt’s nicht.

Kann man Judo im Alter machen? Natürlich. Sowohl im PSV Königsbrunn als auch im SCUG Germering sind die Trainer so ausgebildet, dass sie sowohl Kinder- und Jugendliche, Wettkämpfer, als auch Breitensportler jeden Alters und Könnens perfekt betreuen und trainieren. Ich, 53,  erlebe das bei jeden Training, wenn es wieder am Mattenrand heißt: Mukso – Sensei ni re.

 

 

Verfasst von Claudia Kirchberger 2019

Seit 1 Jahr stolze Trägerin des blauen Gürtels

Mitglied beim PSV Königsbrunn und SCUG Germering

 

 

Vielen Dank meinen Trainern ohne deren Anstoß ich meine Gedanken zum Judo mal aufzuschreiben niemals umgesetzt hätte.

Mein besonderer Dank gilt

Herrn Hannes Daxbacher staatlich geprüfter Trainer, Diplom Trainer beim PSV Königsbrunn www.polizeisv-koenigsbrunn.de/judo.htm  und

Herrn Lutz Maier-Staude, Pressesprecher, Ehrentrainer beim SCUG Germering

www.scug-judo.de